Miete und Corona – Wenn Wohnen in München unbezahlbar wird

Laut Angaben des Mietervereins München e.V., könnte sich die Wohnungssituation in der bayerischen Landeshauptstadt, corona-bedingt, weiter verschlechtern. Die Zahlen sind alarmierend. Hunderttausende könnten sich schon bald die Miete nicht mehr leisten können.

„Wenn es bleibt, wie es jetzt ist, wird es zu einer finanziellen Katastrophe kommen“, erklärt der Geschäftsführer des Mietervereins München, Volker Rastätter. Rund 40 Prozent alle Mieter in München wohnen teuer. Rund 30 Prozent teurer als in Hamburg oder Köln, ergänzt Rastätter.

Im Zusammenspiel mit der Corona-Krise – eine gefährliche Mischung.

„Also ich rechne schon damit, dass drei- bis vier-hunderttausend Menschen ein Problem damit haben“, erklärt der Mieterschutz-Experte.

Bei rund 700.000 Mietwohnungen in München (Stand: 2017), bedeutet das: rund die Hälfte aller Mieter könnte betroffen sein.

Unverschuldet in Not

In eine finanzielle Schieflage, aufgrund der Corona-Krise, ist auch Tilman Schaich geraten. Unverschuldet. Und trotzdem, für Mai hat er seine Miete nicht überweisen können. Und auch im Juni wird der 50-jährige Münchner seinem Vermieter kein Geld für die Wohnung zahlen können. In der Vergangenheit setzte sich Schaich schon öfter mit seiner Initiative „ausspekuliert“, für Belange von Mietern ein. Jetzt ist er selbst betroffen. Kann die Miete nicht mehr zahlen – obwohl er mit rund 700 Euro Kaltmiete im Monat, vergleichsweise günstig wohnt.

„Seit Anfang Mai bin ich jetzt arbeitslos“, erklärt der studierte Produktdesigner. Auch seine freiberufliche Arbeit liegt vorerst auf Eis. Das komplette Einkommen ist weg. Und die Zukunftsperspektiven seien, erklärt Schaich, nicht besonders aussichtsreich.

„Man hört wie die Arbeitslosenzahlen steigen, und Kurzarbeit, es sucht kaum jemand Mitarbeiter. Und da einen neuen Job finden, sehe ich auch längerfristig, als schwierig an“, sagt Schaich.

Ängste und ihre Folgen

„Man sieht ja, … , man muss ja nicht mal seinen Job verlieren, aber auf Kurzarbeit sein – und dann kann man sich schon seine Miete nicht mehr leisten“, mahnt der Bayer.

Die Gefahr seine Wohnung zu verlieren und die daraus resultierenden Ängste, sind auch gesundheitlich eine große Belastung.

„Das ist, glaube ich, eines der schlimmsten Dinge, was einem hier in München passieren kann – wenn man Angst hat seine Wohnung zu verlieren“, sagt Vera Hahn, Pädagogin und Leiterin des „Clubhaus Schwalbennest“ des Sozialpsychiatrischen Zentrums München (SPZ).

„Schlimm wird es, wenn dieser Stress über eine längere Zeit bleibt und nicht abnimmt“, erklärt Hahn. „Dann ist es für den Körper wahnsinnig gefährlich – der Blutdruck steigt, das Herz wird angegriffen, man kann nicht mehr schlafen“. Man dürfe keine Scham haben sich Hilfe zu suchen, rät die Pädagogin.

Positiv in die Zukunft blicken

Trotz seiner derzeitigen Situation (Stand: 07. Mai 2020), sieht Tilman Schaich positiv in die Zukunft.

„Alle sind der Meinung, dass es noch schlimmer werden wird. Aber trotzdem habe ich so das Gefühl, dass da alle so einen Spirit haben, dass sie auch was gutes darin sehen, in der Situation“, konstatiert Schaich. „Ich muss nur daran denken, wie schön ist unser Himmel mittlerweile. Ohne Kondensstreifen am Himmel. Wie ist die Umweltverschmutzung zurückgegangen – Mutter Erde kann wieder durchatmen“.

„Auch die Sache, dass man jetzt viel mehr Zeit mit der Familie verbringt. Da werden hoffentlich viele Leute realisieren, wie sie ihr Leben in den letzten Jahren gestaltet haben, und sich die Frage stellen: will ich da überhaupt zurück?“.

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