Musiker im Lockdown – mit Titus Waldenfels und Roland Hefter

„Es gibt keine Gesellschaft ohne Kunst und Kultur. Das ist kein Leben“, sagt Titus Waldenfels.

„Sprüche wie: Dann verzichtet man halt mal ein paar Monate auf Konzerte – gehören geteert und gefedert“, erklärt der vielseitige Künstler. Sein Einkommen sei, aufgrund der Corona-Krise, auf 0 gegangen.

Um die Krise zu bewältigen, hat sich der Musiker umorientieren müssen. Denn alle geplanten Auftritte wurden abgesagt! Bis auf Weiteres.

Eine Alternative musste her. Um Spielen und Auftreten zu können. Kunst zu machen. Zu arbeiten.

Der Weg – Online-Auftritte!

„Was ich fast am Tag eins dann beschlossen habe, auch auf Idee einer Kollegin hin, von der Andrea Pancur, waren oder sind Wohnzimmerkonzerte“, erklärt der Münchner.

Kein Leben ohne Kunst

Er streamt seine Konzerte über soziale Medien im Internet – live. Über den Online-Bezahldienst „PayPal“, können Fans Waldenfels auch finanziell unterstützen. Die Kunst am Leben erhalten. Sozusagen, als Ersatz für die Konzertkarte.

„Wir werden gut unterstützt, Woche für Woche. Ich habe tatsächlich eingenommen, was man vom Staat hätte erwarten können“, sagt Waldenfels. Er habe keine Soforthilfe erhalten. Die seien, so das Multitalent, ohnehin nicht gut auf freischaffende Künstler ohne laufende Kosten zugeschneidert.

„Es ist überhaupt nicht für mich gemacht. Es ist für Unternehmer gemacht“, mahnt Waldenfels.

Zwar konnte er die fehlende staatliche Unterstützung dank seiner „MusikKollekte“ bisher ausgleichen – doch wie lange geht das gut?

Kombination von online und offline

„Ich habe schon ein bisschen Rücklagen, zwei, drei Monate, die ich nicht arbeite, das geht schon. Ich meine, man könnte ja auch außerhalb von Corona krank werden, ich breche mir was, dann bin ich mehrere Monate arbeitsunfähig. Das kann ich alles handeln, so präkär bin ich nicht. Meine Gedanken sind eher, wie geht es langfristig weiter, nicht was ist im Juni, sondern was ist im Oktober, November“, erläutert der Bayer.

Er unterstelle der Politik keinen bösen Willen. Jedoch, erklärt Waldenfels, werde die Politik immer wieder von Tatsachen überrascht.

„Ich habe den Eindruck, dass viele, viele Amtsträger einfach zu wenig Informationen haben, wie eine große Zahl von uns Menschen, nicht nur Künstlerinnen und Künstler, real tatsächlich leben“, sagt der Musiker.

Seine Existenzangst halte sich jedoch in Grenzen. Er sei „too small to fail“ (zu klein zum Scheitern). Seine Zukunft läge genau in der „Kombination von online und offline“. Und das nicht nur während der Corona-Beschränkungen, sondern dauerhaft.

„Wir sind davon ausgegangen, dass es vielleicht zwei Wochen dauert“

„Es ist eine Scheiß-Zeit. Und es gibt Berufsgruppen, die triffts halt härter. Und wir waren die Ersten die aufgehört haben und werden die Letzten sein, die wieder anfangen“, sagt Roland Hefter, Kabarettist, Liedermacher, Sänger und Stadtrat (SPD) in München.

Vor der Pauli-Otto-Eckart-Hütte (59.64 m ü. Isar), auf dem Dach des Werksviertels am münchner Ostbahnhof, erkärt der Musiker, warum Kultur wichtig ist – für die Gesellschaft.

„Kultur ist für die Menschen wichtig. Kultur ist für das Denken der Leute wichtig. Da kommen die Leute zusammen – da denken sie weiter. Es ist ja nicht nur Bespaßung“, sagt Hefter.

„Es ist für unser Miteinander so wichtig, die Kultur. Ob das Lesungen sind, ob das Theaterbesuche sind, ob das Konzerte sind, ob das die Volkshochschulen sind, die jetzt zu haben, was eine Katastrophe ist, hier in der Stadt, da hoffen wir natürlich alle, dass es bald wieder weitergeht“.

Der gelernte Grafiker sagt, er hätte immer sparsam gelebt, habe Reserven anhäufen können – von denen lebt er zur Zeit. Doch ein Ende der Corona-Einschränkungen ist bisher nicht abzusehen.

„Wir sind davon ausgegangen, dass es vielleicht zwei Wochen dauert, drei Wochen, vier Wochen, naja, dann spielen wir ein bisschen nicht und dann kommt das schon wieder… Aber mittlerweile sind es jetzt drei Monate“, schildert Hefter.

Die ganze Videoreportage, finden Sie unter folgendem LINK.

2 Kommentare

Vieles wird durch Corona erst sichtbar. Die Art wie Musiker von der Hand in den Mund leben, weil es an Wertschätzung mangelt die sich in unserer Gesellschaft in Geld ausdrückt. Statt Festgagen gibt es meist nur auf Eintritt oder auf Hut zu spielen. Ein sicheres Einkommen, bei dem man wie jeder vernünftige Mensch Rücklagen bilden kann, ist somit unmöglich. Ein gesellschaftliches Problem mit und ohne Corona Krise.

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